Offener Brief des Bürgermeisters Henning Kruse

                                             Henning Kruse, Bürgermeister Gemeinde Wulften am Harz

                                                                                                                                          Peterstr. 4

 

                                                                                                         37199 Wulften am Harz Harz

                                                                                                                                         17.02.2018

 

 

 

Herrn Landrat Bernhard Reuter

Kreishaus

Reinhäuser Landstraße 4

37083 Göttingen

 

Schulentwicklungsplanung OBS Hattorf

 

Sehr geehrter Herr Landrat, lieber Bernhard,

 

mit großem Erstaunen und ebenso großer Enttäuschung habe ich die Drucksachen-Nr. 0042/2018 zur Schulentwicklungsplanung zur Kennt-nis genommen.

Es wundert mich schon sehr, dass diese Angelegenheit mit der „Holzhammer-Methode“ brutal durchgezogen werden soll. Es fand absolut keine Beteiligung der direkt Betroffenen (Schulleitung, Schulvorstand, Personalrat, Elternvertreter, Schülervertreter) und des unmittelbaren politischen Umfeldes statt, lediglich Kreisrat Riethig informierte den SGBM von Hattorf, Herrn Hellwig, durch Zusendung der Beschlussvorlage eine Woche vor der Ausschuss-Sitzung. Aufgrund einer sehr zweifelhaften Elternumfrage (s.u.) sollen jetzt ruck zuck Fakten geschaffen werden, ohne jegliche Not.

 

Diese Vorgehensweise entspricht nicht meinem Demokratieverständnis und der hier nötigen Transparenz.

 

Hinzu kommt noch die nicht korrekte Darstellung des Sachverhalts in der Beschluss-vorlage:

 

1.  Die Befragung der Eltern fand „sehr dezent“ statt, ohne hierbei auf die Wichtigkeit und die Tragfähigkeit der Aussagen hinzuweisen. Zudem fehlte der wichtige Hinweis auf das Rückgabedatum (geht m.M. Nach überhaupt nicht). Die Rückläuferquote ist ja auch ein Beleg meiner Einschätzung. Die daraus resultierende „Hochrechnung“ ist nicht nachzuvollziehen und scheint sehr willkürlich. Von daher ohne Wert!

 

2.   Zur Klassenstärke: Die Klassen in einer OBS sind ab 29 zu teilen, d.h. nach der Vorausschau wären auch in den nächsten Jahren jeweils 2 Klassen pro Jahrgang vorhanden und ein gesicherter Betrieb gegeben.

 

3.   Bei dem Punkt „Weiteres Vorgehen“ steht: „Zur Überprüfung, inwieweit der geäußerte Elternwunsch den tatsächlichen Anmeldungen entspricht, wir seitens der Verwaltung als sinnvoll und notwendig angesehen, die Schüler-Anmeldezahlen des Schuljahres 20118/19 mit den Ergebnissen der Elternumfrage zu vergleichen. Weitere Empfehlungen … werden … zu Beginn des Schuljahres 2018/19 vorgelegt.“ Dann muss dieser Passus auch auf die OBS Hattorf zutreffen und muss entsprechend angewandt werden.

 

4.  Es fehlt der Hinweis auf die Schülerinnen und Schüler aus Schwie-gershausen. Was passiert mit diesen? Wo sollen diese beschult werden?

 

Leider würde durch diesen Beschluss die seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit in der Hattorfer Schule mit den Füßen getreten. Die wiederholt errungenen Auszeichnungen „Sportfreundliche Schule“ oder das „Lions Quest Siegel“ zeugen von einem sehr engagierten und pädagogisch wertvollen Einsatz aller in und an der Schule Wirkenden.

Die seit Jahren hervorragend praktizierte Inklusion würde auch nicht entsprechend gewürdigt. Die vielfältigen Kooperationen mit örtlichen Betrieben zeugen von einer in die Dorfgemeinschaft gut integrierten Schule.

Seit dem Neubau der Mensa durch den Altkreis Osterode wurde diese mit Hilfe des Schulfördervereins und engagierter Lehrer sehr erfolgreich betrieben. Durchschnittlich wurden weit über 100 Essensportionen pro Tag in den Spitzenzeiten ausgegeben, eine wohl mehr als erwähnenswerte Sache. Leider ist seit dem 01.02.2018 dieser Betrieb eingestellt, da der Landkreis Göttingen hier seiner Verpflichtung nicht nachkommt (ei-ne seit langem angekündigte Neuausschreibung des Caterers ist bis heute nicht erfolgt! Es gibt seit dem 01.02.2018 keine Mittagsverpflegung in Hattorf!). So wird die Attrak-tivität des Schulstandorts ad absurdum geführt.

 

Die Bedeutung der OBS Hattorf mit der Außenstelle Wulften ist für die Infrastruktur der Samtgemeinde immens. Viele junge Familien ziehen hierhin, bzw. bleiben vor Ort. Durch sehr gute Baugebiete (Hattorf) und lukrative Förderprogramme für Alt- und Neubauten (Wulften) ist ein Trend gegen die Zeit geschafft. Die OBS gehört weiterhin vor Ort und garantiert kurze Schulwege und ein attraktives Schulangebot.

Der Wegfall in Wulften und die ab dem 01.08.18 beabsichtigten Beschulung bis max. Klasse 6 in Hattorf zeigt hier klar den Weg vor: In kürzester Zeit wird auch die Außen-stelle Hattorf zugunsten Herzbergs geschlossen werden.

 

Sehr geehrter Herr Reuter, lieber Bernhard,

 

bei Deiner letzten Wahl zum Landrat des Landkreises Göttingen haben sehr viele Bürgerinnen und Bürger Ihr Vertrauen in Dich gesetzt und dieses mit einem sehr gutem Wahlergebnis dokumentiert (in der Samtgemeinde Hattorf bis zu 63 %!). Ich denke, hier bist Du in der Pflicht, an diese/Deine Wählerinnen und Wähler zu denken, an die Bürgerinnen und Bürger auf dem flachen Land, an die Kinder und Jugendlichen, die eine Vor-Ort-Beschulung sehnlichst erhalten möchten und verdient haben.

 

In diesem Sinne ..

 

Glück auf!

 

Henning Kruse,

Bürgermeister