Wulften erhält auch Wasser von der HarzEnergie      (Bericht: Petra Bordfeld)

 

Wulften. Wolfgang Mönnich, Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbandes Wulften, und der ehemalige Wassermeister Sigfried Wilfer strahlten, als Bürgermeister Henning Kruse zu dem gegenüber der „Öhlmühle“ gelegenen Brunnen kam. Der wollte nämlich erfahren, wie es mit dem geplanten Zufluss von Sösewasser ausschaut, welches aus dem Ortsnetz Schwiegershausen der HarzEnergie kommt. Den Gesichtern der beiden Männer konnte er entnehmen, dass alles geklappt hat.

 

Der Grund zu diesem Zufluss lag darin, dass das Wulftener Wasser zukunftssicher ge-macht werden sollte. Neben einer Verbesserung der Wasserqualität ist auch die Sicherheit eines zweiten „Standbeins“, eines zusätzlichen Zuflusses für Notfälle, von enormer Bedeu-tung.  Gespräche mit der HarzEnergie führten dazu, dass eine 2.200 Meter lange Wasser-leitung von Schwiegershausen nach Wulften verlegt wurden, durch die jetzt das Sösewas-ser strömt.

 

Damit das auch genau dort ankommt wo es benötigt wird, musste auch neben dem alten Brunnen ein neuer Schacht errichtet werden, der die erforderliche Technik (Pumpe und Filteranlage) enthält. Eigens dafür stellte die Feldmarkinteressentschaft Wulften 50 m² eines angrenzenden Stücks ihrer Ländereien zur Verfügung.

 

Und diverse Wasserproben haben mittlerweile gezeigt, dass dieser Schritt der richtige war. Denn alle wichtigen Werte sind im grünen Bereich, die Wasserhärte ist zurückgegangen und die Wulftener Wasserversorgung ist für die Zukunft bestens gerüstet. Dieses bestä-tigte auch Bürgermeister Kruse, der sich namens der Wulftener Bürgerinnen und Bürger bei Wolfgang Mönnich und seinen Mitstreitern ganz herzlich bedankte.  pb

 

Wolfgang Mönnich (li.) und Hen-ning Kruse schauen, wie Sieg-fried Wilfer zufrieden aus dem „Untergrund“ auftaucht.

 

Foto: Petra Bordfeld

 


Wulftener Kirche soll im Herbst in neuem Außenglanz erstrahlen

(Bericht: Petra Bordfeld)

Wulften. Die Frage, wann die St. Aegidien-Kirche mit Baugerüsten eingekleidet wurde, können die Wulftener nicht genau beantworten. Dass es aber vor dem Schützenfest 2019 war, wissen viele, da zur Kirchenparade das Gerüst bereits stand. Und nach dem Schüt-zenfest wurde zum Setzen der Anker auch der Innenraum eingerüstet, so dass bis weit in den Herbst hinein kein Gottesdienst in der Kirche stattfinden konnte. Fest steht allerdings, dass das Gotteshaus im Herbst dieses Jahres in neuem Außenglanz erstrahlen soll.

Das gilt auch für den oberen Teil des Turmes. Er erstrahlt mittlerweile nicht „nur" mit einem neuen Dach, sondern auch mit einem neuen Zifferblatt, angeschafft aus Mitteln der Wulftener Kirchenstiftung. Die hat übrigens genau denselben Platz eingenommen, wie ihre Vorgängerin, die ebenfalls nicht mittig eingebaut wurde. Aufgefallen ist die „Linkslastigkeit“ aber erst jetzt durch die farbige Gestaltung, denn das schwarze Zifferblatt ist jetzt grün.

Übrigens ist zum Thema „Kirchenuhr“ in dem Buch „400 Jahre ev. Luth. Kirchengemeinde St. Aegidien Wulften“ nachzulesen, dass die vermutlich aus dem Jahr 1669 stammende Uhr 1782 gründlich repariert wurde. Damals musste der Stundenmesser alle 24 Stunden aufgezogen werden. 1875 wurde eine neue Uhr angeschafft, die erst 1970 durch ein vollelektrisches Uhrwerk ausgetauscht wurde, das bis 2019 seine Dienste tat.

Architektin Sabine Quehl, Bauleiterin vom Ing. Büro Gröninger aus Melsungen und Ines Goesmann, Kirchenvorstandsvorsitzende und Vertreterin der Kirchgemeinde, die Bauher-rin ist, schmunzelten beim Erzählen dieser Begebenheiten. Sie wussten aber noch zwei Daten: Zum einen wurde die Kirche ab dem 8. Mai 2019  eingerüstet, und am 17. Mai die Bekrönung, die Kugel auf der Kirchenspitze, die neu vergoldet wurde,  mit Wetterfahne abgenommen.

Ernster wurden die beiden, als sie den baulichen Zustand der Kirche ansprachen, die vor 429 Jahren eingeweiht wurde und jetzt auch eine neue Glocke aus Bronze erhalten hat.

In der Glockengeschichte ist nachzulesen, dass das Feuer im Jahr 1598 auch den Turm erreicht hatte und eine der beiden großen Glocken bersten ließ. Erst 1728 konnte eine neue angeschafft werden, welche in der Größe der ersten entsprach. Doch schon im Ersten Weltkrieg wurde eine „Zur Sicherung des Kriegsbedarfs“ eingezogen. Die erst 1933 neu angeschaffte Glocke wurde bereits 1942 für den gleichen zweifelhaften Zweck abge-holt. 1951 wurde eine neue, aus Gussstahl bestehende Glocke geweiht. Jetzt hängt im Turm wieder eine Bronzeglocke, für deren Anschaffung sich laut Ines Goesmann die Kir-chengemeinde „krummgelegt“ hat. Außerdem kamen noch viele Spenden aus der Ge-meinde sowie Geld aus der Wulftener Rogge-Stiftung und auch eine finanzielle mit Hilfe der Landeskirche hinzu. So konnten die knapp 30.000 Euro gestemmt werden.

Aber nicht nur eine neue Glocke ist im oberen Teil des Turmes zu sehen, auch die Holze-lemente erstrahlen in neuem Glanze und ermöglichen den Aufstieg bis zur Turmspitze. „Das ist sehr schön“, so die Kirchenvorstandsvorsitzende.

Allerdings muss bei dem Mauerwerk des Turmes noch viel Geduld und Geschick aufge-bracht werden - auch wenn das Dach, die Schiefereindeckung und die Schallluken bereits neu sind.  Dieses „Geduldsspiel“ sei erst zum Vorschein gekommen, als der alte Putz vollends heruntergeschlagen wurde.

Der Schwerpunkt der Voruntersuchungen am Turm lag bei den Holzkonstruktionen. Der Putz der Turmfassaden war offensichtlich schadhaft und bestand aus dem falschen Material, so die Architektin. Doch unter dem gesamten Putz verbargen sich Schäden, die vorher nicht gesehen werden konnten. Denn nach der Abnahme des Putzes musste festgestellt werden, dass große Flächen des ursprünglichen Sandsteinmauerwerks mit Ziegelsteinen ausgebessert wurden. Dabei wurde ein zementhaltiger Mörtel verwendet, der für das vorhandene Mauerwerk mit einem gipshaltigen Mörtel unverträglich ist. So konnte sich Feuchtigkeit hinter dem ebenfalls zementhaltigen Putz sammeln. Dadurch wurden die Sandsteine zum Teil zerstört, auch die hinter den Ziegelsteinausbesserungen, erläuterte Sabine Quehl. Hinzu kam, dass der Sandstein an sich in großen Teilen von geringer Qualität ist. Dieser Zustand sei mit Sicherheit schon mal festgestellt worden und deshalb wurden vermutlich vor einigen Jahren bereits Sandsteine durch die Ziegelsteine ersetzt. Um weitere Zerstörungen des vorhandenen Mauerwerks zu verhindern, mussten sowohl die Ziegelsteine als auch der Zementmörtel ausgebaut und durch passendes Material ersetzt werden.

Da der Mörtel der neuen Aufmauerungen aber nicht mehr bei Temperaturen unter 7 Grad Celsius verarbeitet werden kann, mussten die Bauarbeiten im Dezember 2019 vorerst eingestellt werden. Seit Ende März geht es wieder weiter. Schließlich sollen die Arbeiten im Herbst 2020 abgeschlossen sein. Dann wird ein neuer Putz aufgelegt sein. Denn, auch wenn viele Steine ausgetauscht sein werden, muss das geschehen, weil Gipsmörtel Schutz vor Feuchtigkeit braucht. „Außerdem ist der Stein, der geblieben ist, empfindlich in seiner Struktur“, so die Architektin.

Das Kirchenschiff, oder besser das Dach, sorgte für eine weitere, nicht eingeplante, unangenehme Überraschung. Denn die Dachkonstruktion im Bereich der Traufen, die von innen nicht zugänglich sind, zeigten bei der Aufnahme von Dachziegeln zuvor nicht festgestellte Schäden. Um die zu beheben, musste der Zimmermann die Ziegeldeckung der 90er Jahre zu einem Teil aufnehmen, um an das in Mitleidenschaft gezogene Gebälk zu kommen. Außerdem wurden vier acht Meter lange Stahlanker quer durch das Kirchenschiff eingezogen, um dessen Gemäuer mehr Halt zu geben.

Die Außenwände des Schiffs sind schon ausgebessert worden und erhalten einen neuen Anstrich, wenn dieser auch dem Turm zukommen wird.

Auf die Frage, was dieses Projekt so insgesamt kosten dürfte, war zu vernehmen, dass die Kosten in einem hohen sechsstelligen Betrag liegen werden. Das Programm zur Förderung der Entwicklung im ländlichen Raum Niedersachsen/Bremen hat bereits einen Zuschuss in Höhe von 150.000 € bewilligt. Die Finanzierung der Gesamtsanierung wiederum übernimmt die evangelische Landeskirche Hannover.

Übrigens liegt die Bauprojektleitung in den Händen des Amtes für Bau- und Kunstpflege Göttingen, welches die Denkmalstelle der Landeskirche Hannover ist. pb

Der Zimmermann erläutert Architektin Sabine Quel             Der Klang der neuen Bronze-

und Ines Goesmann (re.) die Arbeiten am Kirchen-             glocke ist bereits länger zu

schiffdach.                                                                           vernehmen.

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Diese Stufen und Geländer er-       An dieses Kirchenbild haben sich die Wulftener fast

strahlen in neuem Holz.                   schon gewöhnt.

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Dieser Teil des Kirchturms,              Diese Glocke von 1951 hat

auch das Ziffernblatt der Uhr,          im Kirchturm jetzt ausgedient.

sind neu geworden.                                                                       (Fotos: Petra Bordfeld)


Ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk              (Bericht: Petra Bordfeld)

Wulften. Der Wulftener Ausgehclub „Aber Hallo 87“ wollte dem Clubmitglied Sigrid Ruste-berg zum 60sten Geburtstag eine Überraschung, in Form eines von einem Kreissäge-motor „angetriebenen“ E-Bike, vor die Tür stellen. Genau aus dem Grund und unter korrekter Einhaltung der Abstandsregeln machte man sich dafür in der Nacht vor dem Wiegenfest auf den Weg. Zum einen sollte mit dem ungewöhnlichen Motor an dem Stahlesel darauf hingewiesen werden, dass das Geburtstagskind bei den Fahrradtouren konsequent auf Motorunterstützung verzichtet. Außerdem sollte an die Flower-Power-Zeit der gelernten Gärtnerin erinnert werden. In jedem Fall ist die Überraschung sehr gelungen: Ein bunter Fleck in der Corona-Zeit. pb/Foto: privat

Foto: privat
Foto: privat

Kita-Bedarfsplan: I-Gruppe entsteht und Betreuungszeiten werden aus-gedehnt

Aus: Harz-Kurier, Tageszeitung Ldkr. Göttingen, Ausgabe 29. Mai 2020.

Text: Herma Niemann

Wulften. Der Rat der Gemeinde Wulften verabschiedete in seiner jüngsten Sitzung den aktuellen Kindertagesstättenbedarfsplan. Laut Vereinbarung mit dem Landkreis Göttingen sind die angehörigen Gemeinden dazu verpflichtet, diesen Plan aufzustellen, um den Bedarf an Kinderbetreuungsangeboten in Krippen, Kindergärten und Horten festzustellen und jährlich fortzuschreiben. Zudem erfolgt die Zuwendung des Landkreises nach der Anzahl der Kinder.

Der Gemeindedirektor Rolf Hellwig berichtete, dass in der Kindertagesstätte in Wulften eine Gruppe zu einer Integrations-Gruppe umgewandelt werden soll. Für mehrere Kinder sei entsprechender Förderbedarf vorhanden. Zu den notwendigen Rahmenbedingungen sei eine Reduzierung der Gruppengröße auf 16 Kinder erforderlich.

Die Belegungszahlen sowie die aktuellen Anmeldungen würden deutlich machen, dass Wulften auch bei einer Reduzierung der Plätze im Kindergartenbereich von 49 auf 41 den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz aller angemeldeten Kinder weiterhin erfüllen kann. Derzeit stehen 49 Kindergarten- und 15 Krippenplätze zur Verfügung. Zum Stichtag 1. März haben 45 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren und 23 Kinder im Alter zwischen einem und zwei Jahren ihren Wohnsitz in Wulften und so einen Rechtsanspruch auf einen Platz. Gemessen an den reinen Geburtenzahlen wäre im Kindergarten eine Versorgung zu 100 Prozent und bei den Krippenkindern nur zu 65 Prozent gewährleistet.

Ausgehend von den tatsächlichen Anmeldungen sei jedoch zum aktuellen Zeitpunkt sicher, dass mit Ausnahme eines Krippenkindes alle Kinder mit Wohnsitz in Wulften einen solchen im Laufe des Kindergartenjahres bekommen. Weiter berichtete Hellwig, dass die Betreuungszeit im Kindergarten bis auf 16 Uhr ausgedehnt werde.

„Die I-Gruppe ist dann für die ganze Samtgemeinde da“, so der Bürgermeister Henning Kruse, „denn nicht in jeder Mitgliedsgemeinde lohnt sich eine solche Einrichtung. Zudem ist die Ausdehnung der Betreuungszeiten ein Gewinn für uns.“

Ebenso wie auch schon in Hattorf werden auch im Kindergarten Wulften die Krippen-Gebühren rückwirkend zum 1. April entweder erlassen oder zurückerstattet (wir berichte-ten). Wegen der Corona-Krise seien seit Mitte März die Kindergärten bis auf den Notbetrieb für Kinder bestimmter Personengruppen geschlossen, erklärte Hellwig. Schon sehr früh hätten sich deshalb sämtliche Hauptverwaltungsbeamte des Landkreises Göttingen darauf geeinigt, die Erstattung oder den Verzicht der Gebühren den Räten vorzuschlagen. Der Kindergarten in Wulften hat aktuell rund 2.800 Euro pro Monat an Einnahmen. In den anderen Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Hattorf soll dieser Beschluss auf Erlass der Krippengebühren demnächst ebenso Thema sein.

Einstimmig wurde auch die Jahresrechnung 2015 beschlossen. Der Jahresfehlbetrag in Höhe von Minus 97.000 Euro soll in voller Höhe aus der Überschussrücklage gedeckt werden, die dann auf 59.000 Euro schrumpft. Ursprünglich sei das Jahr mit einem leichten Überschuss in Höhe von 36.000 Euro geplant. Die Jahre 2017 bis 2019 sollen sich jedoch voraussichtlich deutlich positiver entwickeln, so Hellwig.

Außerdem stimmte der Wulftener Rat einstimmig für die Ersetzung eines Mitglieds ohne Stimmrecht im Ausschuss für Entwicklung und Finanzen. Seitens der CDU-Fraktion wurde anstelle des bisherigen Bürgervertreters Bernd Kalis als neuer Vertreter Günther Ehrhardt vorgeschlagen.


Bimmelbrücke sorgt im Wulftener Rat für Gesprächsbedarf

Aus: Harz-Kurier, Tageszeitung Ldkr. Göttingen, Ausgabe 28. Mai 2020.

Text: Herma Niemann

Wulften. Leider habe die Ausschreibung zur Sanierung der Bimmelbrücke in Wulften im vergangenen Jahr ein sehr unbefriedigendes Ergebnis erbracht, berichtete der Gemeindedirektor Rolf Helwig in der jüngsten Ratssitzung im Schützenhaus. Der Submissionstermin war im Februar 2020. Seitens des Planungsbüros sei nun der Vergabevorschlag mit einem Bruttopreis für die Sanierung in Höhe von 197.982 Euro unterbreitet worden, also 135 Prozent über der ursprünglichen Kostenschätzung.

Eigentlich waren Finanzierungskosten von rund 84.000 Euro geplant gewesen. Um eine erneute Ausschreibung nun auf den Weg bringen zu können, müssen die zusätzlich benötigten Mittel bereitgestellt werden. "Ohne diese zusätzliche Bereitstellung können wir die Ausschreibung nicht auf den Weg bringen und das Projekt nicht mehr weiterverfolgen", betonte Helwig.

Es sei inzwischen Kontakt mit dem Landkreis Göttingen aufgenommen worden, der eine erhöhte Forderung zusagte, sofern die seitens der Gemeinde Wulften ebenso der erhöhte zusätzliche Eigenanteil gestellt werden kann. Insgesamt müssen deshalb aus dem Haushalt Mittel in Höhe von 135.100 Euro zur Verfügung gestellt werden. Die Deckung ist durch Einsparungen beim Produktkonto Dorferneuerung und durch höhere Fördermittel des Landkreises gewährleistet. Der Rat stimmte einstimmig dafür.

Laut aktueller Kostenaufstellung belaufen sich die Kosten zur Sanierung der Brücke auf rund 215.045 Euro. Die Zuwendung des Landkreises beträgt rund 107.500 Euro. Auf dieselbe Summe erhöht sich auch der Eigenanteil der Gemeinde Wulften. Die Ausführung soll bis Ende November erfolgen.

In der Fragestunde meldete sich ein Einwohner zu Wort und fragte, ob man seine Vorschläge zur Sanierung der Bimmelbrücke mit in die Planung eingebracht habe, denn seine Vorschläge würden die Summen um die Hälfte der Kostenreduzieren. Seine Vorschläge seien keinesfalls laienhaft, zudem habe er sich auch Rat von Unternehmen eingeholt. Zur Erklärung sagte der Wulftener, dass er wohl als Urheber der Kom-bination Bimmelbrücke, Rad- und Fußweg gelte und dass ihm diese Brücke eine Herzensangelegenheit sei. Der Rat habe im Vorfeld verschiedene Varianten überlegt, so Hellwig, und sich dann für eine Metallbauweise entschieden. Der Einwohner wiederum entgegnete, dass er auf Umwegen an der Ausschreibung beteiligt gewesen sei, die "nicht den Cent Papier Wert sei, auf dem sie geschrieben ist", wie er sagte. "Sie unterstellen dem ausführenden Büro fachliche Mängel", so Hellwig erbost, "wir können davon ausgehen, dass das Ingenieurbüro fachlich sauber arbeitet".

Der Einwohner wiederum betonte, dass er sich mit Ausschreibungsverfahren ausken-ne. Die Art und Weise wie die Ausschreibung erfolgt sei, sei überholt, und auch die Höhe der Kosten könne nicht stimmen, mutmaßte er. "Das sind Steuergelder, die ausgegeben werden". Dazu sagte der Bürgermeister Henning Kruse, dass man sich auf den fachlichen Rat des Büros verlassen müsse und man deshalb diese Entscheidung getroffen habe. "Unser Ziel ist, dass die Brücke wieder nutzbar ist", so Kruse. Der Rat habe sich über das Ausbauprogramm Gedanken gemacht und entschieden, so Hellwig. Leider seien Alternativausschreibungen nicht zulässig. Man könne nicht einfach ausschreiben: "ein Stück Brücke".

In seinem Bericht erwähnte Hellwig, dass der Ausbau der Straße Bahnhofstraße/Unter-dorf Gesamtkosten von 3,4 Mio. Euro mit sich gezogen habe. Die Anlieger seien insgesamt mit 290.000 Euro beteiligt. Die Fördermittel hätten rund 1,66 Mio. Euro betragen. Die Gemeinde Wulften hat mit Eigenmitteln in Höhe von 1,26 Mio. Euro beigetragen. Weiter berichtete der Gemeindedirektor, dass zwar die Arbeiten der Telekom im Bereich des Bahnübergangs und der Kurve Mühlenstraße noch nicht ganz abgeschlossen seien, das Pflaster auf Teilen der Strecke jedoch erneut aufgenommen werdend müsse. Grund dafür sei die Erneuerung der Stromleitung auf einer Länge von sechs bis sieben Metern. Die Arbeiten sollen vor dem Fußgängerüberweg bis kurz vor die Volksbank erfolgen. "Leider hat hier keine Harmonisierung der Arbeiten funktioniert. Aber die Gemeinde hat leider keinen Einfluss darauf, wann welche Maßnahmenträger ihre Arbeiten aufnehmen", so Hellwig

 

 

 

 

Möglicherweise dauert die Freigabe  noch bis Ende November 2020

 

 

 

Foto: Gerhard Lüer


Ponyhof Küppers darf sich über Interesse freuen     (Bericht: Petra Bordfeld)

Wulften. Groß und Klein hatten gehört oder gelesen, dass der Ponyhof Küppers und die daran gekoppelte Arche, in welcher vom Aussterben bedrohte Tiere leben, wieder öffnen wird. Und so wurde das Gelände "Am Birkenberg 318" nach vorheriger telefonischer An-meldung „erstürmt“.

Alle Besucher, gleich wie alt oder jung sie waren, oder ob sie aus St. Andreasberg, dem Raum Göttingen oder dem Altkreis Osterode kamen, hatten alle, neben der Erlebnis-freude, auch viel Geduld mitgebracht. Denn nicht „nur“ als Eintrittskarte wurden die Num-mern der Tische vergeben. Sie sollten auch alle daran erinnern, bitte den Mindestabstand zu anderen Familien einzuhalten. Im Kassenbereich bestand übrigens auch Maskenpflicht, die von allen ohne Murren eingehalten wurde.

Während die einen, insbesondere Kinder, wissen wollten, ob das Glück der Erde auch auf dem Rücken kleiner Pferde liegt, und sich in Begleitung ihrer Eltern auf einen kleinen Ausritt begaben, wollten die anderen erst einmal die Vielfalt dieser in Wulften anzu-treffenden Tierwelt entdecken. Alle hatten zwei Dinge gemeinsam: die Familien blieben zusammen, und zur Pause nahmen sie Platz an dem für sie reservierten Tisch. Gleich, ob die mitgebrachte Tischdecke erst ausgebreitet wurde oder nicht, ebenfalls mitgebrachte Getränke und Speisen wurden unter freiem Himmel genossen.

Die Besucher hatten übrigens nicht selten frische Möhren oder Äpfel mitgebracht. Dahin-gegen hatten Melani Lohrengel und Kirsten Heise einen Crêpe-Stand aufgebaut, um die frisch gefertigten Leckereien zu verschenken. Diese Idee verleitete viele dazu, eine kleine Spende für den Ponyhof in eine eigens dafür platzierte Dose zu stecken.

In jedem Fall freuten sich alle, dass sie jetzt wieder den Ponyhof betreten dürfen. Einige von ihnen gehörten zu den Dauergästen, andere waren zum ersten Mal zugegen, aber bestimmt nicht zum letzten Mal. pb

Kleine Besucher fütterten voller Freunde kleine Tiere.                       Foto: Petra Bordfeld


Der Anger in Wulften lädt zum Verweilen ein          (Bericht: Petra Bordfeld)

Wulften. Nach der Neugestaltung des Angers wurde die Neugestaltung jetzt vom Bau-amtsleiter der Samtgemeinde Hattorf, Matthias Franziskowski, im Beisein der Vertreter des Göttinger Landschaftsplanungsbüros Schwahn und der bauausführenden Firma Kluge aus Delligsen, Bürgermeister Henning Kruse und des Bauausschussvorsitzende der Ge-meinde Wulften, Willi Ehrhardt, abgenommen.

Denn diese rund 1100 m² umfassende Maßnahmenfläche, deren Aussehen schon des Öfteren geändert wurde, erfuhr jetzt im Rahmen der Dorferneuerung mit 20 laufende Meter etwa 40 bis 60 Zentimeter hohe, umfassende Natursteine eine Veränderung, auf die ebenso Platz genommen werden darf, wie auf die drei Sitzbänke oder auf der einen Sitzgarnitur.

Außerdem steht dort eine Nordmanntanne, die sich zu Weihnachten in einen Weihnachts-baum verwandeln wird. Und ein neuer Tulpenbaum dürfte auch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sein Vorgänger, den Bürger der Partnergemeinde „Neung-sur-Beuvron auf den Anger gepflanzt hatten, musste allerdings aufgrund schwerer Beschädigungen gefällt werden. Ein neuer Baum dieser Art wurde gesetzt, „weil die Erinnerung nicht einschlafen soll“, so Henning Kruse.

Entlang eines Gehweges wurden diverse Stauden und Gehölze gepflanzt, welche dem ausführenden Gartenbaubetrieb in der Anwuchspflege eine große Herausforderung stellen dürften. „Denn sollte sich erneut ein Dürresommer ausbreiten, muss für eine regel-mäßige Bewässerung gesorgt werden“, so Dr. Christoph Schwahn, Chef des Land-schaftsplanungsbüro, welches das ganze Projekt gemäß den Vorgaben der politischen Gemeinde und des Arbeitskreises Dorferneuerung entworfen, geplant und baulich begleitet hat.

Aber nicht „nur“ der Anger erstrahlt in neuem Design. Gleiches darf über die drei benachbarten kleinen Flächen gesagt werden. Im Bereich der Seite des ehemaligen Rathauses, welches zur Mühlenstraße ausgerichtet ist, wurde der Fußweg verbreitert, dabei eine zuvor nicht bekannte Klärgrube verfüllt und ein Wildapfelbaum gepflanzt. Rund um den Parkplatz vor dem Gebäude erfolgte eine neue Anpflanzung, gleiches darf über das Eckstück Angerstraße/Breite Straße festgestellt werden.

Und hinter der Bushaltestelle in diesem Straßenzug, die genau gegenüber dem Anger zu sehen ist, wurde eine Blumenwiese angesät, die in bunten Farben erstrahlen dürfte.

Die Kosten für diese Dorferneuerungsmaßnahme belaufen sich auf rund 82.500 Euro. Davon werden laut dem Förderbescheid vom Amt für Regionale Landentwicklung 73 Prozent aus Mitteln zur Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung (ZILE) übernommen. Die verbleibenden 27 Prozent trägt die Gemeinde Wulften.

Matthias Franziskowski verwies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Verwal-tung die vorliegenden Summen noch nicht abschließend geprüft habe und auch die Förderzusage noch nicht endgültig sei, da sie vom Ergebnis der abschließenden Prüfung abhänge.

Henning Kruse dankte allen für die gute Zusammenarbeit, die dieses hervorragende Endergebnis zur Folge hatte und versicherte, dass nach der Corona-Zeit, vielleicht Ende August, der Anger feierlich eingeweiht werden wird. Pb

Prüfende Augen bei der Abnahme des             Verschiedene Blickwinkel auf die neue

Angers.                                                             Anlage.

 

Fotos: 1 x Petra Bordfeld, 3 x Gerhard Lüer


Barbara Küppers möchte 2021 in Wulften das 25jährige Bestehen ihres Ponyhofes feiern                             (Bericht: Petra Bordfeld)

Wulften. Auch wenn die Corona-Krise sie mit dem Rücken an die Wand zu drücken droht, will Barbara Küppers, die Gründerin und Inhaberin des Ponyhofs Wulften, ganz bestimmt nicht das Handtuch werfen. Vielmehr steht für sie unerschütterlich fest, dass sie im kommenden Jahr mindestens das 25jährige Bestehen dieses Zuhauses von rund rund 100 Tieren, von denen nicht wenige Rassen vom Aussterben bedroht sind, feiern wird.

Wie kalt sie die Corona-Pandemie erwischt hat, machte sie an einem Beispiel deutlich: Sie und ihr Sohn Louis hatten bereits den Anhänger für die Frühlingsmesse in Chemnitz bela-den, die am Freitag, 13. März starten sollte. In der Frühe des Abfahrtstages baten die Veranstalter noch darum, etwas mehr mitzubringen. Am Nachmittag kam dann der niederschmetternde Anruf „Alles auf Null“. Das sollte nicht die einzige Absage bleiben. Bad Wildungen, Halle (Saale) und ein Autozulieferer bei Stuttgart kündigten die Aufträge ebenso schnell auf. „Dabei hatten wir schon frohlockt, dass 2020 ein gutes Jahr werden könnte, weil wir mit den fetten Aufträgen bis Ostern und darüber hinaus endlich mal wieder schwarze Zahlen hätten schreiben können“.

„Jetzt stehe ich vor einem finanziellen Fiasko. Das einzige, was genug da ist, ist Heu. Wenn ich so viel Geld wie Heu hätte, wäre ich steinreich“, so Barbara Küppers.

Von den regulären Öffnungszeiten, die es ab Mittwoch, 6. Mai, nur nach telefonischer Anmeldung (0 160 / 46 76 26 3) geben wird, wurden bislang lediglich 30 Prozent der Unkosten gedeckt. Das größere Stück vom Kuchen wird von den Buchungen der Rentiere und des Streichelzoos in der Vorweihnachtszeit und den Frühjahrsaufträgen getragen, und genau die sind alle abgesagt.

Allein die beiden zurückliegenden Jahre hätte sie auf dem Versorgungssektor der Tiere schon finanziell arg gebeutelt, weil in dem nicht gerade ertragreichen 2019 der Verlust der Dürre in 2018 nicht abgedeckt werden konnte. Normalerweise gibt es drei Heuschnitte im Jahr, das dürfte auch 2020 nichts werden, was eine Preiserhöhung beim Heu mit sich bringen und damit bei rund 120 Rundballen stark in die Kasse reinhauen dürfte.

Um diese Menge überhaupt abzudecken musste sie 2019, dieses Futter aus Polen und aus der Rhön zusätzlich besorgen. Für die Rentiere wiederum lässt sie sich in einer Spezialanlage getrocknetes Grummet per LKW aus der Nähe von Österreich bringen. „Das von der Sonne getrocknete und mehrmals gewendete Gras ist für diese Tiere nicht geeignet“. Weil es gilt, beim Heukauf immer zur rechten Zeit zuzuschlagen und sie da 2019 einmal nicht so flüssig war, tauschte sie sogar 100 Rundballen gegen einen alten Trecker ein.  Sie muss aber auch für eine Vielzahl von Tieren für 500 bis 700 Euro pro Monat pelletiertes Futter der unterschiedlichsten Art besorgen.

Und da sind jetzt die drei Lämmer, die von ihren Müttern verstoßen wurden, und von Barbara Küppers mittels Flasche großgezogen werden. Wie in den Jahren zuvor, zieht sie dafür einen alten Bademantel an, in dem sich die kleinen Wollknäulen beim Nuckeln einkuscheln können. Weil das 75 Euro pro Schafnachwuchs in der Säugezeit kostet, müsste sie aus betriebswirtschaftlicher Sicht sagen, dass das zu teuer wird. „Das mach ich aber nicht, dass wäre ein Schritt ins Aufgeben“.

Diese Abschaffungsüberlegung stellt sie ebenso wenig an, wenn es um ihre arbeitstreuen Ponys geht, auf deren Rücken schon seit einigen Jahrzehnten mehrere Generationen von Kindern begeistert Platz genommen hatten.

Etwas anders sieht es bei den Großpferden aus. Einige von denen stehen zum Verkauf an. Allerdings schaut sie da ganz genau, ob die Interessenten wirklich die richtigen neuen Besitzer sind. Nicht selten hat sie dabei schon Enttäuschungen erlebt, denn oft wurde eine behufte Maschine oder ein Schaukelpferd gesucht. „Genau das ist nicht eines meiner Großen“.

Auch wenn sie Mittwoch wieder öffnen darf, wird die wirtschaftliche Sonne nicht aufgehen, weil neben den Auflagen seitens des Landes auch der Verlust des Frühjahrsgeschäftes, der sich auf gut 20.000 Euro beläuft, nicht mehr reingeholt werden kann. Außerdem steht noch lange nicht fest, ob das Weihnachtsgeschäft reibungslos abgewickelt werden kann.

Um das 25jährige Bestehen des Ponyhofes feiern und allen Tieren das Zuhause erhalten zu können, betrat Babara Küppers jetzt einen Weg, den sie sonst immer gemieden hat: den der Spendenbitte. Da sie immer wirtschaftlich so ordentlich gearbeitet hatte, habe sie stets kundgetan, dass sie keine Spenden annimmt. Diese Gelder könnten Tierschutzvereine oder Kinderhilfseinrichtungen besser gebrauchen. „Jetzt brauche ich auch eine finanzielle Unterstützung dieser Art“. Denn ein Kredit von der Bank wäre ein Tod auf Raten.

Das Land Niedersachsen hat ihr immerhin 3.000 Euro überwiesen, sie werde aber versuchen, auch vom Bund noch Gelder zu erhalten. Worüber sie sich allerdings ganz besonders freut, ist die Tatsache, dass sie bundesweit großen Zuspruch erfährt. Viele haben schon Eintrittsgelder im Voraus überwiesen, weil sie sich sicher sind, dass es weitergehen wird. Besonders glücklich ist sie außerdem über die Spendenbereitschaft der Wulftener.

Eine von ihnen ist Melanie Lohrengel, eine Nachbarin von Barbara Küppers. Als sie von der Situation des Ponyhofs erfuhr, holte sie ihre Nähmaschine heraus und nähte Nacht für Nacht Nase-Mund-Masken, weil sie am Tage ihrer Arbeit nachging und geht. Allein mit dieser besonderen Spenden-Aktion kam eine Menge Geld zusammen,

Barbara Küppers wandte sich aber auch hilfesuchend an den Landkreis Göttingen und die Samtgemeinde Hattorf. „Es gibt wohl kaum jemanden im Landkreis Göttingen, der den Namen Küppers nicht schon am Telefon gehört hat“, so die Ponyhof-Besitzerin. Sie habe in Sachen finanzielle Unterstützung stets nette und verständnisvolle Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung gehabt. „Auch wenn sie mir finanziell nicht weiterhelfen konnten, dankte ich allen dafür, dass sie trotz der Krise, immer ein offenes Ohr hatten“. Allein das habe schon sehr gutgetan.

Besonders viel Kraft gibt ihr die Tatsache, dass ihre Familie geschlossen hinter ihr steht. Auch wenn alle in Arbeit und Brot stehen, legen sie überall auf dem Gelände Hand mit an. „Ich werde das Handtuch bestimmt nicht schmeißen.“ Auch wenn in den letzten zwei Jahren wetterbedingt keine Rücklagen gebildet werden konnten, werde man mit Mut und Engagement nicht „nur“ die Zeit bis Juni und Juli durchziehen.

Jetzt bleibt erst einmal abzuwarten, ob interessierte Menschen die Möglichkeit nutzen, den Ponyhof wieder zu betreten.

Wer ihm aber mit einer Spende weiterhelfen möchte, der sollte sich folgende Daten notieren und daran denken, dass jeder Euro dazu beiträgt, dass die Tür des Ponyhofes nicht endgültig ins Schloss fällt.

 

Konto B. Küppers De252635101500 00 0 95794 oder Paypal an Archepark@aol.compb

Barbara Küppers zieht die drei Lämmer           Melanie Lohrengel näht Masken zugunsten

mit der Flasche auf.                                          des Ponyhofes.

 

Diese beiden Lämmer warten auf die               Auf dem Hof gibt es auch Geflügel, zum

Besucher.                                                         Beispiel, diese Puten.

Fotos: Petra Bordfeld


Ein Wulftener lässt in China nicht nur Schutzmasken produzieren

Bericht: Petra Bordfeld

Wulften. Im Juli 2016 nahm Daniel Hennig einen Job bei Novelis in Göttingen an. Das war der Grund, warum ihn sein Weg vom Rheinland in den Vorharz nach Wulften führte. „Wir fühlen uns hier pudelwohl, weil wir tolle Menschen in Wulften und dem Harz kennen gelernt haben“, so der Unternehmer. Auch wenn er im Januar 2020 das Arbeitsverhältnis mit dem Aluminiumwerk gekündigt hat, hat er nicht vor, seinen Wohnsitz zu verändern. Verändert hat sich aber sein Aufgabenbereich, denn vor rund vier Wochen sorgte er zusammen mit seinem Partner dafür, dass Schutzmasken und anderes medizinisches Material, welches in Corona-Zeiten nicht nur auf dem Deutschen Markt benötigt wird, aus China importiert wird „Damit möchte ich auch diese Region unterstützen“. Dass das keine leeren Worte sind, hat er bereits mit einer Spende von 1 500 Masken für die Gemeinde Wulften, für die OBS Hattorf und die Samtgemeinde Hattorf unter Beweis gestellt.

Es ist mir sehr wichtig, gerade in diesen Zeiten zu unterstützen, wo es möglich ist. Da ich den Zugang zu den aktuell dringend benötigten Mund-Nase-Schutzmasken, FFP 1 und FFP 2 habe, ist es für mich selbstverständlich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu spenden“.

Dass er aber mittlerweile nicht „nur“ in Deutschland, sondern auch in Frankreich ein sehr gefragter Lieferant ist, macht die Tatsache deutlich, dass unter den 60 Mio. Masken die vom Bundesministerium für Gesundheit bestellt sind, auch er den Zuschlag erhalten hat, eine große Menge zu liefern. Diese befinden sich zurzeit in der Auslieferung.

Doch bevor das Corona-Virus weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, importierte sein Partner vornehmlich Kinderschuhe, die in Deutschland an bekannte Einzelhandels-Ketten verkauft werden – und das bereits seit 2008. Auch schon seit zehn Jahren besteht eine enge Partnerschaft mit einem großen Handelsunternehmen in Ningbo, der Küstenstadt in der ostchinesischen Provinz Zhejian.

Anlässlich der Covid-19-Pandemie und den erschreckenden Realitäten in China im De-zember 2019 hat der langjährige Partner in Ningbo das Lieferprogramm unter anderem um Schutzmasken erweitert. „Seit Anfang April sind wir nun mit dem Vertrieb in Deutschland und jetzt auch in Frankreich präsent“.

Schon im November und Dezember, als Corona leider noch nicht so ernst genommen wurde, hätten er und sein Partner die Produktion in acht zertifizierten Fabriken erweitert, wozu auch Schutzmasken gehörten.

Ende März wurde das Duo angesprochen, ob Interesse an der Übernahme der Vermarktung der Sicherheitskleidung für Europa bestünde. „Wir haben fünf Minuten nachgedacht und dann Ja gesagt. Denn bei der Riesennachfrage wollen wir einfach helfen und Deutschland sowie möglichst ganz Europa mit wichtigen Waren zu versorgen“.

Das war die Geburtsstunde von Respiratory-Protection, welche wegen geschlossenen Behörden erstmal als Division der bereits bestehendem UG Kids2Go gegründet wurde. Daniel Hennig ist Managing Director der Division.

In den zurückliegenden vier Wochen haben die Beiden 24 Stunden und sieben Tage in der Woche daran gearbeitet, die Produktionsreihe aufzubauen. Sie achteten darauf, dass alles TÜV zertifiziert ist. Dabei vertaten sie von Anfang an die Philosophie, dass es zwei Produktsparten geben muss: eine für die Medizin mit Zertifikat und die zweite, der Standard Mund-Nasen-Schutz. Mit dieser Trennung wollten sie erreichen, dass die Konsumenten der Medizin nicht alles wegkaufen könnte. Um ihr Vorhaben auch realisieren zu können, gründeten beide die neue Division.

Während die Produktion in den Vertragsfabriken von mehr als 2,1 Mio. Masken pro Tag kein Problem seien, sehe es mit dem Transport wesentlich schlechter aus. Denn, weil in Europa fast alle Geschäfte geschlossen haben, dümpeln die in China beladenen Container nicht nur in den europäischen Häfen und fehlen in der Volksrepublik. Also muss alles über den Luftraum abgewickelt werden, was Geduld bedeutet.  „Auf dem Flughafen von Shanghai steht unsere Ware nicht selten zwei bis drei Tage herum, obwohl sie dringend benötigt wird“. Nach dem Import und der Verzollung geht es dann zu den Flughäfen Hannover, Frankfurt und jetzt Leipzig. Von da aus startet der Transport aus Sicherheitsgründen in Fahrzeugen eines persönlich bekannten Spediteurs im Direktverkehr. In Deutschland stehen aktuell keine Lagermengen zur Verfügung. Die Lieferzeit beträgt im Direktimport aktuell bis zu 20 Werktage.

Respiratory-Protection investiert einen hohen siebenstelligen Betrag, um bis Ende Mai Lagerware verfügbar zu haben und so innerhalb von 24 Stunden die Kunden bedienen zu können.

Die Erkenntnis, dass die Mülleimer mittlerweile schon ganz gehörig überzuquellen drohen, brachte die beiden Jungunternehmer dazu, eine weitere Devision unter der Respiratory-Protection zu gründen. Diese soll in etwa vier Wochen – auch in China – Facebuddys für den Privatmann und in verschiedenen Größen produzieren. Es werden Mehrweg-Schutzmasken sein. „Denn wir glauben, dass sich das Straßenbild in Europa ändern wird und mehr Masken zum Alltag gehören werden“. Sei das Verhalten der Menschen in Asien bis vor kurzem noch belächelt worden, dürften Atem-Schutz-Masken in der Öffentlichkeit auch in Europa ein Stück weit zur Normalität gehören.

Warum aus der Maske ein Facebuddy geworden ist, erklärt Daniel Hennig so: „Mit dem unkomplizierten Namen wollen wir weg von den Begriffen Angst, Einschränkung und Krankheit, die schnell mit der Maske in Verbindung gebracht werden“.

In jedem Fall sind die Konstruktion und die Verhandlungen mit den Lizenzgebern nahezu abgeschlossen. Wann genau sie an Handelsketten ausgeliefert werden, steht noch nicht ganz fast, dafür aber der Preis. Er wird deutlich unter zehn Euro im Einzelhandel zu haben sein. „Die Masken sind übrigens aus hautverträglichem Stoff und waschbar. Damit produzieren wir keinen Müll“. Der Weg bis dorthin sei nicht einfach gewesen, denn letztendlich haben ja alle Behörden geschlossen. pb

Foto: Petra Bordfeld
Foto: Petra Bordfeld

Nils Passian, Schulleiter der OBS Hattorf und Wulftens Bürgermeister Henning Kruse (v. li. n. re.) freuen sich ebenso wie Samtgemeindebürgermeister Rolf Hellwig (rechts) über die Spendenfreudigkeit von Daniel Hennig (zw. v. re.), der diesmal 1.000 Atemschutzmasken aushändigte.


Zwei Frauen nähten für die Wulftener Wehr                (Bericht: Petra Bordfeld)

Wulften. Monika Armbrecht und Elke Wedekind vernahmen, dass die aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wulften aufgrund der Corona-Pandemie Mund-Nase-Schutz-masken (MNS) brauchen. Bevor die sich nach medizinischen umschauten, huschten die beiden Frauen in die Rolle der Schneiderin. Strahlend überreichten sie jetzt waschbare und somit wieder verwendbare Masken an Ortsbrandmeister Grégory Olivier Mickiewicz.

Auch wenn er eine der von den Wulftenerinnen mittels Hand gefertigten MNS überzog, konnte er seine Freude über die dankenswerte Geste nicht verstecken. Aber er betonte: „Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn sich auch noch andere an der Fertigung solcher Masken beteiligen“.

Interessierte Frauen und Männer, die auch helfen wollen, sollten einfach mal bei ihrer Wehr nachfragen, ob Bedarf besteht. „Das wäre jedenfalls prima“. pb

Elke Wedekind (li.) und Monika Arm-brecht freuten sich riesig, mit ihren Masken ins Schwar-ze getroffen zu haben und über-reichten die schon fertiggestellten MNS an Ortsbrandmeister Grégory Olivier Mickiewicz.

 

Foto: Petra Bordfeld